Ethik

Einleitung

Qualifizierte Pflegende leisten die notwendige Beratung und Unterstützung, die es den Menschen ermöglicht, sich mit täglichen Aspekten der Gesundheitserhaltung und - föderung auseinander zu setzten und mit den Folgen von Krankheit und Behinderung zurecht zu kommen oder um friedlich zu sterben. Gesundheitsbedingte Veränderungen im Alltagsleben von Betroffenen und ihren Angehörigen sind und bleiben das zentrale Anliegen unserer Berufsgruppe.

Die Erhaltung der Gesundheit, ihre Förderung , die Prävention, die Krankheit und Behandlung, Rehabilitation und Palliation sind im Alltäglichen verwurzelt. In Zeiten von Krankheit oder eines plötzlichen Umbruches (z.B. Verlust der Erwerbsarbeit, Unfall, Tod eines nahen Menschen, Katastrophe) oder von Übergängen (z.B. Geburt eines Kindes, Arbeitswechsel, Migration, Pensionierung verändern sich gewohnte Abläufe, Betroffene werden destabilisiert und darum verletzlich.

Pflege durch andere wird immer dann benötigt, wenn alltägliche Fähigkeiten und das, was in der Alltagserfahrung als selbstverständlich erscheint (atmen, essen und trinken, ausruhen, ausscheiden, aufstehen, sich fortbewegen, sich wohl fühlen usw.), noch nicht oder nicht mehr selber gemeistert werden kann. Es geht um das Alltägliche, welches in gesunden Tagen kaum je unsere Aufmerksamkeit erweckt und darum als selbstverständlich, ja als "gewöhnlich" und "einfach" gilt. Erst wenn das Selbstverständliche zusammenbricht, merkt man, dass alltägliche Handlungen und körperliche Fähigkeiten alles andere als banal sind. Dann erst wird die Ganzheitlichkeit, Vernetztheit und Komplexität des Selbstverständlichen wahrnehmbar. Und hier setzt die professionelle Pflege ein.

Pflegende bringen im Neu- oder Wiederaufbau von gesundheitserhaltenden und gesundheitsfördernden Alltagsroutine ihr Know-how und ihre Dienste ein. Sie befassen sich mit den eng verflochtenen Beziehungen zwischen täglichem Leben und Gesundheit und mit den Auswirkungen von gesundheitlichen Einschränkungen und Behandlungsfolgen auf das Alltagsleben Betroffener sowie ihre Angehörigen. Patienten und Angehörige werden in ihrer Auseinandersetzung mit diesen Auswirkungen beraten, unterstützt und begleitet.

Definition der Pflege
Die Gesundheits- und Krankenpflege befasst sich mit den Auswirkungen und Folgen von aktuellen oder potentiellen gesundheitlichen Beeinträchtigungen und ihrer Behandlungen auf das Alltgsleben einzelner Menschen, ihrer Angehörigen und von Gruppen.
Die Gesundheits- und Krankenpflege leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung und Gesundheitserhaltung. Die beruflichen Pflegenden motivieren Menschen, gesundheitserhaltende und gesundheitsfördernde Verhaltensweisen zu übernehmen. Sie unterstützen diese Menschen, ihren Alltag den sich daraus ergebenden Veränderungen anzupassen.

Die neun Herausforderungen

Im Alltag gesund oder mit gesundheitlichen Einschränkungen zu leben, bedeutet, sich ständigen Herausforderungen stellen zu müssen.

  1. Im Alltag Krisen – bedingt durch Übergänge, Krankheiten bzw. Therapien – vorbeugen und mit ihnen umgehen.
  2. Umgang mit Widerwärtigkeiten und Problemen bzw. Krankheitssymptomen und/oder Behandlungsnebenwirkungen.
  3. Zurecht kommen mit Massnahmen zur Gesundheitserhaltung, Gesundheitsförderung und Prävention bzw. mit Behandlungen und Therapien.
  4. Den Alltag so organisieren, dass genügend Zeit für gesundheitserhaltende und gesundheitsfördernde Aktivitäten oder für krankheits- und therapiebedingte Massnahmen zur Verfügung steht.
  5. Mit dem Verlauf gesundheitsbedingter Veränderungen zurecht kommen.
  6. Soziale Isolation vermeiden, wenn man sich aus gewissen Bereichen des gewohnten Berufs- oder öffentlichen Lebens zurück ziehen muss.
  7. Strategien entwickeln, um sich innerhalb gesellschaftlicher Normen zu verhalten oder sich mit den Konsequenzen von Normabweichungen auseinander setzen.
  8. Sich als Familie oder nahe stehende Person mit den vorher beschriebenen Herausforderungen auseinandersetzen und diese mittragen helfen.
  9. Mit den finanziellen Folgen von gesundheits- bzw. krankheitsbezogenen Massnahmen umgehen. Sich mit institutionellen, administrativen und ev. Juristischen Abläufen vertraut machen, mögliche Hindernisse überwinden.


Literatur:
Kesselring, Annemarie Panchaud Catherine; 1999; Gesellschaft und Pflege; Verlage SBK - Schweiz

Weiterführende Literatur:
Funk Sandra G; 1997;Die Pflege chronisch Kranker Key Aspects Hans Huber
Glaser Barney G. Strauss Amsel L; 1998; Grounded Therory, Stategien qualitativer Forschung; Hans Huber
Pièrre Woog; Chronisch Kranke pflegen, Corbin - Strauss - Pflegemodell, 1998, Ullstein Medical